Kispest–Honvéd FC
Kispest–Honvéd FC
Lajos Kocsis

Lajos Kocsis

Lajos Kocsis, 18.06.1947 Szeged – 09.10.2000 Budapest

1959–61 Móravárosi Kinizsi
1961–64 Szegedi VSE
1965–66 Salgótarjáni Bányász
1967–77 Bp. Honvéd
1977–82 Gyulai SE

Er war ein überragender Techniker und ein Spieler, der für seine Mitspieler glänzende Torchancen kreierte. Ein unberechenbarer Dribbler, der noch viel mehr hätte erreichen können, wenn er sein Talent nicht vergeudet hätte. Er spielte bei Móravárosi Kinizsi, Szegedi VSE und Salgótarjáni Bányász, bevor er zu Honvéd wechselte. 1967 holte ihn József Bozsik nach Kispest. Sein erstes Ligaspiel bestritt er in Komló (Komló – Bp. Honvéd 2:0). Schnell wurde er zum Publikumsliebling; Tausende kamen nur wegen ihm ins Stadion. Seine 40-Meter-Pässe waren millimetergenau, seine Finten für die gegnerischen Abwehrspieler unberechenbar. Seine Freistöße trieben die Torhüter schier zur Verzweiflung. Seinen denkwürdigsten Freistoß erzielte er gegen den Torwart des schottischen Klubs Aberdeen. „Kicsi“ zirkelte das Leder wie gewohnt mit rechts in den Winkel, doch der Schiedsrichter, der gerade noch die Mauer formierte, erkannte den Treffer nicht an. Das Publikum tobte vor Wut, während die Schotten dem Schiedsrichter applaudierten. Außer Lajos Kocsis regten sich alle auf – er hingegen legte sich den Ball in aller Ruhe wieder zurecht und zirkelte ihn erneut in den oberen Winkel. Das Publikum tobte abermals, diesmal jedoch vor Freude. Der schottische Torhüter stand mit ausgebreiteten Armen auf der Torlinie.

Unter Fußballfans ist so etwas selten, doch Lajos Kocsis wurde von Újpest bis Pestszentlőrinc von allen geliebt. Seine brillanten Dribblings und haargenauen langen Bälle wurden von jedermann beklatscht.
Oft wurde er dafür kritisiert, phasenweise minutenlang im Mittelfeld abzutauchen, doch ein einziger genialer Moment von ihm genügte, um das Spiel zu entscheiden.

33-mal trug er das Nationaltrikot und erzielte dabei 7 Tore. 1968 gewann er bei den Olympischen Spielen in Mexiko Gold, 1972 in München Silber.

Er war ein genialer Freigeist und Spitzbub. Am 10. Dezember 1969 bestritt Honvéd in Rom das Pokalrückspiel gegen Lazio. Während der Partie regnete es in Strömen, und die Teams spielten auf rutschigem, schlammigem Geläuf. „Csikó“ dribbelte an der Seitenlinie, als zwei italienische Verteidiger auf ihn zustürmten. Kocsis narrte die Italiener mit einer Sohlenwende, woraufhin diese durch ihren eigenen Schwung vom Spielfeld rutschten. Danach zog er sein Trikot aus der Hose, wischte sich das Gesicht ab und passte den Ball erst dann weiter. Die Italiener applaudierten dieser Szene.

Am 14. Mai 1972 führte er im EM-Viertelfinal-Rückspiel in Bukarest die rumänischen Abwehrspieler im Fünfmeterraum regelrecht vor. Nach einer flachen Hereingabe dribbelte er so lange, bis drei Verteidiger auf dem Hosenboden saßen, und schob den Ball dann elegant ins Netz.

In 308 Erstligaspielen erzielte er 112 Tore. Lajos Tichy sagte einst über ihn: „Wenn Kicsi am Ball ist, müssen alle zehn Mitspieler in Bewegung sein, denn man weiß nie, wem er den Ball zuspielt. Es könnte sogar der eigene Torwart sein.“

Mit Honvéd gelang ihm der Gewinn der Meisterschaft nie, auch wenn er oft nah dran war. In der ungarischen Meisterschaft holte er drei Silbermedaillen (1969, 1972, 1975) und einmal Bronze (1970), im Ungarischen Pokal dreimal Silber (1968, 1969, 1973) sowie im Mitropapokal eine Silbermedaille (1975). Ende der 1970er-Jahre ließen ihn genau jene Funktionäre im Stich, die ihn zuvor noch verhätschelt hatten.

1977 zeigte er in seinem letzten Erstligaspiel eine herausragende Leistung (Bp. Honvéd – Salgótarján 6:0), doch wenige Wochen später war er in Kispest unerwünscht. In Gyula spielte er noch fünf Jahre lang in der dritten Liga und bereitete den dortigen Fans große Freude. Ein Wettskandal setzte seiner Karriere schließlich ein Ende. Als „Fan“ tauchte er noch mehrmals in Kispest auf, wo er stets herzlich empfangen wurde. Er verstarb früh im Alter von 53 Jahren.

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